Offenheitsanalyse Innovationssystem

Wie können wir das deutsche Innovationssystem offener gestalten?

Unter Einbindung unterschiedlicher Akteur:innen und Blickwinkel kartierten wir die Offenheit des deutschen Innovationssystems. Auf Basis dessen identifizierten wir Stellschrauben für einen Wandel hin zu mehr Offenheit in Deutschland.

Laufzeit: Juni 2020 – März 2021

Thema

Das deutsche Innovationssystem ist komplex und träge: Zahlreiche Akteur:innen und Beziehungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, etablierte Strukturen in Verwaltung oder schwer zu durchbrechende Anreizsysteme machen es schwer, positive Änderungen zu bewirken und die Auswirkungen von Fördermaßnahmen u.ä. abzuschätzen. Daher brauchen wir zuerst ein umfassendes Verständnis und eine Kartierung der Wirkungsmechanismen im System, um dann in einem nächsten Schritt erfolgversprechende Hebel für eine positive Transformation zu identifizieren und ein Leitbild für Openness im Innovationssystem zu formulieren.

Ziele
  • Wissensaustausch zwischen Akteur:innen fördern und verschiedene Blickwinkel integrieren
  • Wechselwirkungen zwischen Systemfaktoren und Themen erkennen und visualisieren
  • Ein gemeinsames Verständnis der Situation und Wirkungen des deutschen Innovationssystems schaffen
  • Entwickeln von Vorschlägen für zukünftige Maßnahmen und Programme für ein offenes Innovationssystem, basierend auf den zuvor gewonnenen systemischen Erkenntnissen
Methode und Vorgehen

Mit Hilfe einer systemischen Betrachtungsweise haben wir in 2020 zuerst den Ist-Zustand mit Schwerpunkt auf den aktuellen Herausforderungen und Voraussetzungen für eine Öffnung des deutschen Innovationssystems erhoben. Hierfür haben wir auf bestehende Studien zurückgegriffen und in einem mehrstufigen Verfahren mehr als 50 Akteur:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellscharf durch  qualitative Interviews und Workshops eingebunden.

Unser methodisches Vorgehen kombinierte systemanalytische mit Design Thinking-Ansätzen. Durch ein partizipatives und qualitatives Vorgehen berücksichtigte es die individuellen, wie organisatorischen Bedürfnisse und durch die System-Perspektive gelang es das „große Ganze“ besser zu verstehen. Wir konnten so ein umfassendes Verständnis über das Zusammenspiel der wichtigsten Faktoren, Wirkungen und langfristigen Effekte gewinnen, die Offenheit im deutschen Innovationssystem hindern, bzw. ermöglichen. Ein besseres Verständnis über komplexe Systeme hilft uns, ganzheitliche Handlungsstrategien zu entwickeln, die mit den Eigendynamiken des Systems arbeiten, um einen positiven Wandel zu bewirken.

Nach einer Explorationsphase mit Literaturrecherche (Desk Research) und qualitativen Interviews wurden in unserem innOmap Workshop Ende August 2020 mit Akteur:innen aus unterschiedlichen Sektoren erste Systemkarten entwickelt. Aus mehreren Karten wurde danach eine Karte generiert, die durch evaluative Interviews geschärft wurde.

Durch die Analyse der Systems Map wurden sogenannte „Leverage Points“ entdeckt – Hebelpunkte im System, deren Aktivierung positive Dynamiken und Verhalten hin zu mehr Offenheit generieren können.

In einem weiteren Schritt entwickelten wir ein Portfolio an Maßnahmen (s.u.) auf unterschiedlichen Ebenen, mit denen Offenheit im deutschen Innovationssystem gefördert werden kann.

Momentan entwickeln wir aus den Ergebnissen eine Roadmap für Openness, die, von unterschiedlichen Akteur:innen unterstützt, sektorenübergreifend Leitplanken für mehr Offenheit im Innovationssystem aufstellt. Sie fasst unsere Erkenntnisse zusammen und hilft den Akteur:innen, von der Politik getragen, das gemeinsame Erreichen unserer Vision: In dieser entwickeln alle betroffenen Akteure und Akteurinnen in offenen Innovationsökosystemen neue Erkenntnisse, gestalten innovative Lösungen und etablieren diese für einen gesamtgesellschaftlichen Mehrwert und ein globales Vorbild. Selbstverständlich ist der Weg dorthin ein langer mit viel Experimentieren und Lernen, den wir mit innOsci begleiten möchten.

Ergebnisse

Als erstes zentrales Ergebnis entstand eine interaktive Systems Map, die die Zusammenhänge des Innovationssystems kartiert und seine Komplexität verständlich macht (s. eingebettete Karte unten). Auf der Überblicksseite zur Karte finden sie einen Video-Mitschnitt unserer Veranstaltung vom 27.1..20 und den Link zu einer Präsentation — beide führen durch die Karte.

Personas

Die Personas geben die Erkenntnisse aus zehn qualitativen Interviews und der Desktop-Recherche wieder. Sie bilden nicht einzelne Interviews ab, sondern veranschaulichen für ihre jeweilige Perspektive typische Wahrnehmungen, Herausforderungen und Wünsche bei der Umsetzung von Offenheit in Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Forschung. Die Personas helfen dabei, sich in eine andere Perspektive reinzudenken und stehen gleichzeitig für die wesentlichen Akteur:innen in unserer Vision eines offenen Innovationssystems.

Maßnahmen-Portfolio

Aus der Analyse der Systems Map wurden in einem ersten Schritt elf Leverage Points identifiziert – Hebelpunkte im Innovationssystem, die Potenzialfelder für eine positive Entwicklung hin zu mehr Offenheit beschreiben. Für diese Felder wurden unterschiedlichste Umsetzungsmaßnahmen und Ideen gesammelt, die kondensiert in einem Portfolio unterschiedlichen Ebenen zugeordnet wurden: Von Maßnahmen auf der individuellen Wirkungs- und Handlungsebene bis zur systemischen und politischen Ebene und andererseits auf der Ebene von Wirkungsfeldern, die von Kompetenzen bis zu Rahmenbedingungen handeln.

Mit Maßnahmen auf der Mikro-Ebene von Individuen oder Kompetenzen kann normalerweise leicht und schnell begonnen werden, sie haben jedoch ein nicht so hohes Veränderungspotenzial wie Maßnahmen auf Makro-Ebenen, wie der Politik- und Systemebene. Letztere sind jedoch wesentlich schwerer in Gang zu bringen. Hier wirken viele Pfadabhängigkeiten und teilweise sind Paradigmenwechsel notwendig, die bisherige Annahmen in Frage stellen. Für mehr Offenheit im deutschen Innovationssystem reicht es nicht aus, einzelne Projekte zu starten, sondern es braucht ein Maßnahmenportfolio, das von vielen Organisationen und Stakeholdern unterstützt wird um systemischen Wandel herbeizuführen. Dies sorgt für einen strategischen Überblick sowie Orientierung und gemeinsam können Maßnahmen koordiniert werden, Lernerfahrungen gesammelt und Maßnahmen daraufhin angepasst werden.

Wir danken der Systemic Design Group, Daniel Gawlowski und allen Interview- und Workshop-Beteiligten für ihre Unterstützung!